Das Konzept EquiVista
EquiVista
Ein Fantasiename, der sich aus “Equi” (lateinisch für “Pferd”) und “Vista” (englisch für “Aussicht” oder “Blick”) zusammensetzt. Dieser Name vermittelt eine Verbindung zur Natur und zum Reiten.
Dieses Konzept ist ein reitpädagogisches Unterrichtskonzept für Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren. Die Grundideen basieren auf der Bachelorarbeit von Celine Bircher und wurden weiterentwickelt.
Beziehung zum Pferd
Das Aufbauen einer Beziehung zum Pferd ist im Reitunterricht, und besonders im mittleren Kindesalter, sehr bedeutsam. Dies kann durch Rituale, wie Begrüssungen, Verabschiedungen, oder Kuscheln mit dem Pferd entstehen. Die Begründung liegt bei dem Bedürfnis nach einer emotionalen Bindung. Kinder haben den Wunsch nach Freundschaft mit dem Pony (Dell’mour, 2010, S. 55).
Dell’mour spricht (2010, S. 55) von sogenannten Inselerfahrungen, welche dem Kind einen Platz schaffen sollte, um auftanken zu können aber auch Mut und Trost zu finden (Dell’mour, 2010, S. 55). Der Reitunterricht, die Beziehung zum Pferd oder das Zeitverbringen in der freien Natur kann für ein Kind eine solche Inselerfahrung sein. Ein Pferd kann für Kinder nämlich auch in schwierigen Zeiten ein Freund sein und dem Kind jederzeit Aufmerksamkeit schenken.
Genau solche Inselerfahrungen möchten wir unseren Reitschülerinnen und Reitschüler ermöglichen.
Handelndes lernen
Besonders im Reitunterricht können Kinder vom handelnden Lernen profitieren. Vogel (2020, S. 81) schreibt, dass die Behaltensquote eines Lerninhalts höher ist, wenn möglichst viele Sinne eines Kindes während dem Lernprozess angesprochen werden. Deshalb soll der Reitunterricht die Kinder zur aktiven Beteiligung und zum praktischen Tun auffordern (Vogel, 2020, S. 81).
Es werden drei Repräsentationsformen nach Bruner (1974) unterschieden. Vogel, (2020, S. 81) beschreibt diese.
Einerseits erwähnt er die enaktive Repräsentationsform, in welcher das Kind direkt am Gegenstand handelt, «also durch konkretes Tun erfährt» (Vogel, 2020, S. 83). In einer Reitstunde wird diese Form beispielsweise anhand den Putzsachen umgesetzt. Die Kinder probieren verschiedene Bürsten aus, und erfahren durch das gegenständliche und experimentelle Tun, welche Bürsten sich wo und warum eignen. Die ikonische Repräsentationsform ist eine weitere Form und soll dem Kind eine äussere und innerliche bildliche Darstellung des Lerninhalts ermöglichen (Vogel, 2020, S. 83). So kann beispielsweise anhand Bilder erklärt werden, wie ein Fohlen auf die Welt kommt, da dieses Geschehen nicht am Gegenstand selbst enaktiv gelernt werden kann. Die dritte Form ist die symbolische Repräsentationsform, bei welcher die Schülerinnen und Schüler durch Wörter und Sprache, Formeln lernen (Vogel, 2020, S. 83). Diese Ebene wird im Reitunterricht in der Theoriearbeit angewendet.
Kooperatives Lernen
„Lernen ist ein sozialer Prozess. Unser Wissen, unsere Gewohnheiten, unsere Fertigkeiten und unsere Einstellungen haben wir, direkt oder indirekt, fast immer über die Interaktion mit anderen Personen erworben“ (Escher & Messner, 2015, S. 99). Auch im Reitunterricht können Reitkenntnisse und das damit verbundene Fachwissen in einem sozialen Prozess gelernt werden. Dabei werden verschiedene Lerntheorien voneinander unterschieden. Das kooperative Lernen findet im Reitunterricht als Lernpartnerschaft statt, wobei sich die Kinder gegenseitig beobachten, und am Modell lernen können.
Die Schülerinnen und Schüler bilden Lerngruppen und erarbeiten die Themenbereiche gemeinsam. „Das Ziel der Lernpartnerschaft besteht darin, dass sich die beiden beteiligten Schülerinnen und Schüler im Lernprozess möglichst gut unterstützen“ (Zobrist, 2016, S. 92).
Offenes, selbstgesteuertes Lernen
Dettling (2020, S. 53) schreibt, dass Schülerinnen und Schüler, welche mit einer offenen Lernform sich Wissen aneignen, selbstgesteuert und situativ in individuellen und sozialen Lernprozessen lernen. Die Kinder sollen selbst darüber entscheiden dürfen, was vom Angebot angenommen und was für Wissen angeeignet wird. Zudem kann durch eine Öffnung des Reitunterrichts für alle Kinder mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen einen eigenen Zugang geschaffen werden (Dettling, 2020, S. 53).
Aufgrund dieser Erkenntnis, haben wir uns entschieden mit den Unterrichtbausteinen; übergeordnete Fragestellung (Thema), Plan, Kurs und Freie Tätigkeit nach Achermann und Gehrig (Achermann, 2007; zit. nach Dettling, 2020, S. 56) zu arbeiten, welche eine Öffnung im Reitunterricht ermöglichen. Folgend werden die Bausteine kurz beschrieben:
Übergeordnete Fragestellung (Thema)
Das Ziel ist es, eine passende übergeordnete Fragestellung und somit ein Thema mit Bildungspotenzial festzulegen, welche einen Zusammenhang zwischen dem Kind, der Sache, aber auch der Gesellschaft aufweist. Diese übergeordnete Fragestellung sollte nach Trevisan & Helbling (2018, S. 42-52) einen Lebensbezug zu den Reitschülerinnen und Reitschüler aufweisen, relevant für die Bildung sein, komplex und vernetzt sein, sowie exemplarisch zugänglich gemacht werden können (Trevisan & Helbling, 2018, S. 56).
Plan
Mit einem Plan/einer Fragestellung haben die Reitschülerinnen und Reitschüler einen Überblick über die zu erlangenden Kompetenzen und vorgesehenen Lernziele. Die Kinder arbeiten selbstständig, selbstgesteuert und in ihrem Tempo an einem Plan. Ein individueller Kompetenzerwerb kann beliebig ergänzt und vertieft werden. Weiter beinhaltet ein Plan Einzelaufgaben, aber auch kooperative Aufträge, welche zusammen mit dem Pferd geübt werden (Achermann, 2007; zit. nach Dettling, 2020, S. 57).
Kurs
In einem Kurs gibt die Lehrperson zielorientierte Instruktionen an die Kinder in Gruppen.
Im Reitunterricht sind es zudem die Lehrgespräche zwischen Reitlehrerin und Reitschüler oder Reitschülerin, bei denen die Lehrperson durch Fragen und Impulse das Gedächtnis des Kindes anregt, es im Lernprozess begleitet und das offene Lernen mit dem Plan ermöglicht (Hugener, 2016, S. 99).
Frei Tätigkeit
In der freien Tätigkeit haben die Reitschülerinnen und Reitschüler die Möglichkeit eine eigene Idee selbstgesteuert zu planen und in Form eines Unterrichtsvorhabens oder Projekts umzusetzen. Dabei nimmt sich die Reitlehrperson zurück und beobachtet und unterstützt die Kinder in ihrem Tun (Achermann, 2007; zit. nach Dettling, 2020, S. 57).
Die übergeordneten Fragestellungen nach EquiVista
Mit Hilfe von Fragestellungen und Inputs von uns Kursleiterinnen werden die Kinder in die Welt der Pferde eintauchen und selbst gesteuert die Antworten auf Fragen erforschen.
Die Fragestellungen sind noch nicht abgeschlossen. Wir entwickeln stehts neue Fragestellungen und Angebote, mit welchen die Kinder die Welt der Pferde kennenlernen können.
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